Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist's: Reise, reise! - Wilhelm Busch

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Nepal Teil 4 - Das Huhn im Korb und das Abschiedsgeschenk

Noch schnell eine Massage, dann sind die 2 Wochen vorbei, die Marco in Nepal war. Ich bin aufgeregter als er, als wir zum Flughafen fahren. Irgendwie hatte ich mich ja doch an Gesellschaft gewoehnt, nun wuerde es wieder allein weiter gehen. Obwohl ich spontan eine Oesterreicherin ins Zimmer einquartiert bekam, mir war irgendwie komisch zumute. Haette es nicht sein brauchen, schliesslich wollte ich mich abends ja wieder mit dem Argentinier Fernando verabreden, den wir schon einen Abend vorher in Kathmandu wiedergetroffen hatten. Aber so recht traute ich dem ganzen noch nicht und war froh, dass der Taxifahrer tatsaechlich freundlich laechelnd auf mich wartete, nachdem ich Marco den grimmig dreinblickenden Soldaten am Flughafen ueberlassen hatte. Noch groesser war die Freude, als ich dann Fernando und Jeremy wiedertraf, ein leckeres Essen vor mir hatte und mit Fernando spontan beschloss, am naechsten Tag nach Patan zu fahren, eine der Koenigsstaedte im Kathmandutal.

Es blieb aber nicht nur bei uns beiden. In Fernandos Guesthouse angekommen, waren da noch 2 Deutsche, Dimitrios und Heiko. Hinzu kamen noch ein grummeliger Hollaender (the honey dutch bear, yeah!!!) und letztendlich noch ein Israeli, Eli, alles irgendwie Trekkerkollegen. Fertig war das Team, ich das Huhn im Korb. In 2 Taxis ging es nach Patan, wobei wir wohl den besseren Preis ausgehandelt hatten. Eingequetscht gesessen hat jeder, der grosse Hollaender stiess bei jedem Schlagloch mit dem Kopf ans Dach, was den kleineren Fernando und mich koestlich amuesierte, und Schlagloecher gab es viele :-) In Patan kaum aus dem Taxi geschaelt stand ein gutaussehender Nepalese vor uns, grinste breit und erklaerte uns die Eintrittskarten, wobei der Hollaender einsehen musste, dass 6 Leute nicht 10 sind, fuer die es einen Gruppendiscount gegeben haette. Hunger hatten die Jungs auch noch,also schickte der Huebsche die Quengeligen erstmal zum Suessigkeitsstand. Und ploetzlich hatten wir mit ihm einen Guide. Mir recht ;-) Er sah nicht nur nett aus, er wusste auch wieder viel, fuehrte uns nicht nur in Tempel, sondern auch in ein winziges "Restaurant", wo Einheimische sassen und in dem es keine Speisekarte gab. Dafuer aber original Essen der Newari. Pfannkuchen mit Fleisch vermischt. Scharf angebratenes Bueffelfleisch. Bueffelzunge, knusprig braun. Bueffelhirn, gebraten. Alles koestlich. Der hungrige Hollaender neben mir moserte und erzaehlte etwas von Creuzfeld-Jacob, dem sich der Israeli anschloss, doch nach einer Weile, als nur ich den Hollaender fragend anguckte mit vollgepacktem Mund, pickte er sich tatsaechlich ein kleines Stueck Hirn und ass es. Koestlich :-)

der Durbar Square von Patan

aehem... tierisches Kamasutra

Fernando und unser Guide eintraechtig beim Fotos gucken

Moenche und Nonnen beim Studium

Eli hat Hunger...

alles nur fuer uns ;-)


Wir streiften noch durch die Strassen. Vorbei an oeffentlichen Badestellen, an denen gleichzeitig Trinkwasser geholt wird. Meist von Frauen, in grossen, goldenen Karaffen. Schulkinder tollen vorbei, die aelteren Jungs eilen zum Wasser, bringen damit die schwarzen Haare wieder etwas in Form, laecheln herueber, eilen weiter. Alte Maenner luemmeln zusammen auf den Mauern kleiner Tempel, palavern, nicken uns zu, laecheln, das Leben hier ist entspannter als in Kathmandu. Kinder gruessen uns manchmal ueberschwenglich mit einem lauten Hello!, freuen sich, wenn sie Antwort bekommen, wunderschoene Frauen in farbenfrohen Saris und makellosschoener Haut gehen an uns vorbei, gruessen ein freudiges Namaste! zurueck, dabei lachen die grossen, oft mit schwarzen Kajal umrandeten Augen mit. Aeltere Frauen sitzen auf Tuerschwellen, stricken oder verkaufen ein bisschen Gemuese, entbloessen fast zahnlose Muender, wenn sie laecheln... und dennoch sind sie wunderschoen.






Am Abend fahren wir zurueck nach Kathmandu, in einem sogenannten Tempo, einem Minibus. Wir quetschen drin wie die Sardinen und haben einen Heidenspass, der auf vielen Fotos festgehalten wird, so dass die nepalesischen Mitfahrer wohl schon Sternchen gesehen haben muessen von den Blitzlichtern. Wahrscheinlich sind sie auch noch halb taub, weil wir ihnen so ins Ohr gelacht haben. Die meisten lachen jedoch beherzt mit, egal, ob sie nun verstehen, wovon wir reden, oder nicht. Lachen ist gesund! Und ansteckend!

Das bleibt auch am naechsten Tag noch so. Unser Grueppchen ist auf 4 Leute geschrumpft, Fernando und Heiko sind heimgeflogen. Wir haben uns Bhaktapur vorgenommen, eine weitere Koenigsstadt mit ebenso vielen Tempeln, reich verzierten Holzbalkonen, einem Palast. Nur etwas weiter ausserhalb von Kathmandu. Der Hollaender hat vorgesorgt und im Lonely Planet schon genau gelesen, was er machen will, naemlich genau den weg abgehen, der vorgeschlagen ist. Erstmal natuerlich was essen. Aber bitte nicht wieder sowas komisches, er hat es lieber mit farbigen Bildern in der Speisekarte, scheint mir bzw. uns. Wir sind noch diplomatisch und koennen dennoch lokale Sachen essen, waehrend er an einem Burger nagt und dann recht schnell draengelt, weil er alles sehen will. Nur hat er da nicht mit meiner Essgeschwindigkeit gerechnet, die unertraeglich sein muss fuer jemanden in Eile :-)

Bhaktapur Durbar Square




Er schafft es aber noch und nimmt die Rolle des Fuehrers an, immer voran mit der Karte und dem Buechlein, nein, bitte nicht schon wieder stehen bleiben, scheint sein Stoehnen und sein Gesicht zu sagen, waehrend wir Kinder fotografieren, lachen. Der grumpy dutchman wird noch so richtig sauer, als Dimitrios und Eli in einem Shop verschwinden und sich nicht wirklich bei ihm abmelden. Und richtig lachen kann er auch nicht, als eine alte Frau aus dem Fenster spuckt, ihn beim ersten Mal deutlich, beim zweiten Mal aber nur noch knapp verfehlt, unwissentlich, denn als wir laut lachen, erschrcikt sie erstmal, entschuldigt sich und lacht dann mit. Nunja. Wir muessen die Route abkuerzen, denn es wird dunkel. Und los geht die Streiterei, wie wir zurueckkommen nach Kathmandu. Taxi oder Bus. Der Hollaender ist wieder hungrig und will ein Taxi. Wir plaedieren fuer Bus. Und sitzen dann tatsaechlich in einem drin, ganz hinten, wo es am meisten rumpelt, ich hoere mehr als einmal Elis Wehklagen und gleichzeitig laut Lachen (Zitat: My balls!). Ein Einheimischer bringt uns nepalesische Volkslieder bei, die wir schraeg und falsch nachsingen bzw. bruellen, weil der Bus laut ist, die Schlagloecher geben den Rhythmus vor, danach folgt Elis Einlage mit einem israelischen Lied, der Hollaender versagt nach der Haelfte seiner Hymne und ich kraehe verzweifelt "und wenn et Troemmelche jeht...", was in einem Koelle Alaaf gipfelt, wie ich es wohl selbst abends an Weiberfastnacht nicht schraeger haette praesentieren koennen. Doch dies war ein wuerdiger Abschiedstag, gekroent von einem Steak, Everestbier und Apfelkuchen mit Eis. Nicht wirklich nepalesisch, aber nach einem anstrengenden Tag genau richtig :-)






Am naechsten Morgen hat mir Nepal dann einen wunderschoenen Abschied bereitet. Ich sitze im Taxi zum Flughafen. Schau raus, sehe ein paar Bergspitzen des Langtang. Und sehe, wie klar heut alles ist. Und schaue weiter, zwischen diese zwei Huegelketten westlich von Kathmandu, wie mir einmal ein Nepalese geraten hatte. Und da steht er, wenn auch in der Ferne. Mein achter Achttausender, der Manaslu. Zum Glueck geht es auf der Strasse so langsam voran, dass ich ihn geniessen kann. Da sind mir die folgenden, voellig irren Sicherheitschecks am Flughafen egal. Mich begleitet ein Kanadier bis Bangkok, wir tauschen Berggeschichten aus. Wir sitzten in der Mittelreihe, Bergsicht ausgeschlossen. Aber das ist egal, sie sind im Kopf, die Bilder, im Herzen die Eindruecke. Und dort ist noch viel Platz fuer folgende. Hier in Bangkok gibt es schliesslich auch genug zu sehen....doch davon spaeter mehr...

Manaslu

Kommentare:

  1. Schade, bleib' doch noch ein bisschen in KTM - macht Spaß zu lesen ;-)
    irre Sicherheitschecks, dem kann ich nur zustimmen. 4 Stück auf 300 m. Total komplett. Und die Leute verstehen no Fun!!

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  2. Hey, ja, ich waer ja noch geblieben, aber die Zeit... nunja. Die Soldaten auf dem Flughafen sind ja echt bisschen viel, da wars in China ja sehr relaxy dagegen... Danke fuers Lesen!

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  3. Viel Spaß weiterhin! Liebe Grüße aus Neuss, Frank

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